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Kontrollierter Datenfluss vom Nutzer über einen eigenen Filter-Server an Drittanbieter.
April Bortz16.01.26 20:343 min read

Server Side Tracking: Funktionsweise und strategische Vorteile

Das digitale Marketing befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Während die Datenerhebung jahrelang fast ausschließlich im Browser des Nutzers stattfand, schränken Ad-Blocker, ITP-Frameworks und das Ende der Third-Party-Cookies diese Methode immer stärker ein. Für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet das oft eine erhebliche Diskrepanz zwischen tatsächlichen Conversions und den in Analysetools angezeigten Werten. Server Side Tracking hat sich hierbei als technischer Standard etabliert, um die Datenqualität zu sichern und gleichzeitig die Anforderungen an den modernen Datenschutz zu erfüllen. Es bietet eine Möglichkeit, die Hoheit über die eigenen Datenströme zurückzugewinnen, ohne auf essenzielle Marketing-Insights verzichten zu müssen.

Wie funktioniert das Prinzip dahinter?

Bisher wurden Daten meist direkt vom Browser des Nutzers an Drittanbieter wie Google oder Meta gesendet. Beim Server Side Tracking (oft auch als serverside tracking bezeichnet) wird eine eigene Instanz zwischengeschaltet. Der Unternehmenseigene Server empfängt die Daten Ihrer Website-Besucher zuerst, verarbeitet diese zentral und leitet sie erst dann in strukturierter Form weiter.

  • Der Gatekeeper: Der Server entscheidet nach vordefinierten Regeln, welche Informationen an externe Partner übermittelt werden.

  • First-Party-Daten: Die Kommunikation findet über die eigene Domain statt, wodurch die Abhängigkeit von Browser-Restriktionen sinkt.

  • Hinweis: Den technischen Vergleich zum Client Side Tracking beleuchten wir detailliert in unserem nächsten Blogbeitrag.

Warum ist das Tracking über den Server eine Lösung für ungenaue ROI-Werte?

Die Zuverlässigkeit herkömmlicher Messmethoden nimmt stetig ab. In Deutschland nutzen schätzungsweise über 30 % der Internetuser Technologien, die klassische Tracking-Skripte unterbinden. Das verzerrt die Erfolgsmessung von Marketing-Kampagnen erheblich.

Durch den Einsatz von server-side tracking lassen sich diese Effekte minimieren:

  1. Datenlücken schließen: Customer Journeys können wieder lückenlos abgebildet werden, was eine fundierte Bewertung des Marketing-ROI ermöglicht.

  2. Performance-Optimierung: Da weniger ressourcenintensive Skripte im Browser ausgeführt werden, reduziert sich die Ladezeit der Website. Dies wirkt sich positiv auf die Nutzererfahrung und das Suchmaschinen-Ranking aus.

  3. Präzisere KI-Signale: Werbeplattformen erhalten durch die serverseitige Anbindung stabilere Daten, wodurch die automatische Optimierung von Gebotsstrategien effizienter arbeiten kann.

      Client-Side Tracking Server-Side Tracking
    Cookie-Laufzeit (Safari/iOS) 24 Std. bis 7 Tage Bis zu 2 Jahre 
    (durch HTTP-Cookie)
    AdBlocker Werden oft blockiert Werden meist umgangen 
    (1st Party Domain)
    Datenqualität Schlechter 
    (durch Blockierung)
    Hoch 
    (nahezu 100% Erfassung)
    Datenkontrolle Liegt beim drittanbieter (Google/FB) Liegt bei Ihnen 
    (Filterung möglich)
    Browser-Performance LaC Schneller 
    (weniger Skripte im Browser)

Ist Server-side Tracking die Antwort auf Datenschutz-Herausforderungen?

Für Unternehmen im europäischen Raum stellt die DSGVO hohe Anforderungen an den Datentransfer. Die serverseitige Lösung bietet hier architektonische Vorteile gegenüber der clientseitigen Erfassung.

Datenhoheit: Kontrolle über jeden Byte

Im Gegensatz zum herkömmlichen Tracking verbleibt die volle Souveränität über den Datenstrom beim Website-Betreiber, bevor externe Dienste involviert werden.

  • Anonymisierung: IP-Adressen und andere personenbezogene Merkmale können direkt auf dem Server gekürzt oder entfernt werden, bevor eine Übertragung an US-Dienste erfolgt.

  • EU-Hosting: Die Nutzung von Serverstandorten innerhalb der EU unterstützt die Einhaltung aktueller Compliance-Vorgaben (Stichwort Schrems II).

Wie gelingt die Implementierung in der Praxis?

Die Einführung von serverseitigen Lösungen ist ein technischer Prozess, der sich heute dank spezialisierter Tools und Frameworks standardisiert abbilden lässt.

Kosten und Nutzen im Vergleich

Ob über den Google Tag Manager (sGTM) oder Anbieter wie Jentis und Piwik PRO – die Entscheidung für ein Setup hängt meist von der Komplexität der bestehenden Marketing-Infrastruktur ab. In der Regel führt die gewonnene Datenpräzision zu einer fundierteren Budgetallokation, die den initialen Setup-Aufwand rechtfertigt.

  • Status-Quo-Analyse: Identifikation der aktuell genutzten Tracking-Pixel und deren Auswirkung auf die Ladezeit.

  • Infrastruktur-Wahl: Auswahl eines geeigneten Cloud-Hostings mit Fokus auf Datenschutz und Standort.

  • Migration: Schrittweise Überführung der wichtigsten Events in den Server-Container.

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April Bortz
April Bortz ist eine versierte Expertin im Bereich Digital Marketing, die sich darauf spezialisiert hat, das Potenzial für Neukunden zu analysieren und maßgeschneiderte, bedürfnisorientierte Beratungen zu den Produkten ihrer Agentur anzubieten.

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